Erklärungen zum Musterbrief an Hilfswerke:

 

Welcher Organisation kann ich mein Geld  anvertrauen ?

 

... Dies werde ich oft von Menschen gefragt, weil ich seit langem einerseits mit ‚Hilfswerken’ den kritischen Dialog pflege und andererseits mehrere Monate pro Jahr in sonnenreichen Ländern arbeite.

 

Wie Sie und ich sind auch die besten Hilfswerke nicht perfekt. Also ist die bequeme Haltung, nichts gegen Ungerechtigkeit tun zu müssen, weil Fehler -ja sogar Korruption- bei gewissen Akteuren vorkommt, nicht nachvollziehbar. Wer ein bisschen offen-kritisch ist, sieht ein, dass vor allem die ‚Wirtschafts-Mechanismen’ dermassen ungerecht organisiert sind, dass die Benachteiligten systembedingt vom Almosen-Geschäft abhängig gemacht werden. Wer abhängig ist, hat Angst sich zu wehren - seine demokratischen Rechte offen zu fordern... Wer Angst hat, kann ‚effizient’ missioniert und manipuliert werden. Wie sie auf dem Bild sehen, ist der ‚Entwicklungsdienst’ häufig Teil des ‚Business-Plans’. Wäre die Wirtschaft gerechter[1], könnte auf 80% der Entwicklungshilfe[2] verzichtet werden.

 

Die Ex-perten der meisten ‚Hilfswerke’ unterstützen den sog. Kampf gegen die extreme Armut... Da ‚Armut’ und ‚Reichtum’ aber voneinander abhängen, ist es sehr einseitig, extremen Reichtum zu ignorieren. Solange ‚die Reichen’ und Mächtigen alleine entscheiden, wie die ‚Armut’ und der daraus entstehende Terror bekämpft werden soll, solange wird diese heuchlerische Form von „Hilfe zu noch mehr Abhängigkeit“ ständig verschärft. Dies ist einer der Gründe, weshalb es so wichtig ist, dass potentielle SpenderInnen durch kritische Fragen (auch) die Entwicklungszusammenarbeit mitgestalten: Dank Ihrem Engagement (z.B. FrageBrief anwenden/ Dialog führen) können vermehrt Mittel in friedensfördernde und fairere Projekte fliessen: Probieren SIE es aus.

 

Welche Faktoren führen zu einer faireren, gewalt-armen Welt (auch bei uns) ?

  •  TABUS müssen endlich angegangen werden! ·1. Fast jede zweite Schwangerschaft  ist gemäss UNFPA[1] ungewollt (=Unfall) und HIV/AIDS wuchert schmerzlich, weil die Sexualität meistens bequem ausgeblendet wurde/wird! ·2. Geld kann ohne persönliche Arbeit ‚diskret-geheim vermehrt werden... Diese fundamentalen Ungerechtigkeiten thematisiert kaum jemand... man hat Angst Sponsoren/SpenderInnen zu verlieren... etc.
  •   GUT GEMEINT ist langfristig leider meist ungut. Gute Arbeit kann gemessen werden: Hilfe (Symptombekämpfung) -alleine- schafft per Definition Abhängigkeiten. Falls Abhängigkeiten aber dank integrierten Präventionsmassnahmen (Ursachenarbeiten) abnehmen, kann gut gemeint auch für die Zielgruppen „gut“ bedeuten.
  • KONKURRENZverhalten sollte von Non-Profit-Organisationen überwunden werden. Da Nachhaltige Entwicklung nur durch interdisziplinäre Zusammenarbeit möglich wird, ist Konkurrenz in Anbetracht der grossen Not äusserst schädlich – für alle.
  •  SMALL IS BEAUTIFUL… (klein ist schön - gross ist subventioniert)! Kleine Projekte mit dem Fokus auf Qualität sind grossen unübersichtlichen Projekten vorzuziehen. Grosse Unternehmungen begünstigen oft die Falschen.
  •  SOWOHL ALS AUCH: Es ist eine Illusion, zu meinen, dass unsere PartnerInnen sich je von der Hilfe lösen können, wenn nicht parallel zu guter Projektarbeit politische und vor allem wirtschaftliche Gerechtigkeit gefordert und gefördert wird - speziell bei uns: Die Arbeitsgemeinschaft der Hilfswerke[2] z.B. versucht dies immer wieder zu thematisieren.
  • DO IT AS SIMPLE AS POSSIBLE, BUT NOT SIMPLER[3] (ALBERT EINSTEIN): Komplizierte Prozesse und Technologien sind oft ein ‚gutes’ Geschäft für Firmen aus Industrieländern. Problemlösungen mit Einbezug von lokalen Fachleuten sind weniger ‚High Tech’ aber dafür vorteilhaft für die Einheimischen (Beispiel: Lokales Einkommen durch angepasste, erneuerbare Technologie - etwa Sonnenenergienutzung in sonnenreichen Ländern).
  • MOTIVATION UND VORBILDFUNKTION DER MITARBEITER/INNEN: Wer mehr Gerechtigkeit fordert - aber privat am billigsten einkauft bzw. mit Banken / Pensionskassen Geld aus Geld1 ‚macht’, ist nicht vertrauenswürdig. Wird eine gemeinnützige Idee institutionalisiert,  gehen oft die Hauptziele verloren, weil das Überleben der Institution wichtiger werden kann als die ursprünglichen Motivationen der InitiantInnen. Nehmen Sie z.B. an, es gäbe keine Kriege mehr... dann würden u.a. das IKRK[4] oder ‚Friedenssoldaten’ überflüssig ÞWunderbar: HelferInnen könnten sich endlich vom ‚Hilfs-Job’ lösen (STOP AID = Lösung).
  • GLEICHGÜLTIGKEIT schadet. Die Geschichte kennt unzählige solcher Beispiele. Dass Sie bis hierhin gelesen haben, beweist, dass es Ihnen nicht egal ist, WIE[5] Ihre Mittel von Hilfswerken eingesetzt werden. Es wäre sehr nützlich, wenn Sie den beiliegenden FrageBrief den Hilfswerken, welche Ihnen Bettelbriefe geschickt haben, senden, und dann die Antworten analysieren. Aus verschiedenen Antworten können sie z.B. das für Sie beste Hilfswerk gezielt unterstützen.

 

 VORGEHEN, WIE DER MusterBrief EINGESETZT WERDEN KANN:

 

1.  MusterBriefe allen Institutionen schicken, die Sie interessieren bzw die um Ihre Unterstützung bitten. Sie können den Brief in ein email reinkopieren und Ihren Bedürfnissen anpassen.

2.  Die Antworten (keine Antwort ist auch eine) geben Ihnen Aufschluss, wie mit den Spenden umgegangen wird. Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen bei der Analyse unentgeltlich behilflich sein. Danke, wenn sie mir eine Kopie davon schicken.

 3.    Es ist fair [8], wenn die jeweiligen Organisationen erfahren ...

 ...was Sie an der Arbeit überzeugend finden
...was Sie nicht verstehen     
...warum Sie (zweckgebunden) mittragen wollen – oder warum Sie andere Programme unterstützen möchten.

 

 SO EIN AUFWAND... DAS IST MIR ZU KOMPLIZIERT!

  •  Es macht doch Sinn, vor allem diejenigen Organisationen zu unterstützen, welche positiv-zukunftsorientiert arbeiten. Die Mittel gehen dadurch vermehrt in Richtungen, die für alle nutzbringend sind. Diejenigen Organisationen, welche von Ihnen nicht begünstigt werden, haben eine Chance, sich zu verbessern und davon können die Projektgebiete längerfristig profitieren.
  •  Konstruktive Kritik sollten die gemeinnützigen Organisationen begrüssen, da gute Organisationen mehr wollen als nur das Gewissen von  SpenderInnen zu beruhigen.

 

 Fragen, Anregungen, aber auch Kritik freuen mich.

 

Mit guten Wünschen – für ALLE.

 

Alec Gagneux, Albulagasse 7, 5200 Brugg, Schweiz; Tel: 056/ 441 45 75 oder 079 727 10 27

 

 


[1] Eine gerechte Wirtschaft verhindert, dass Geld aus Geld ‚gemacht’ werden kann, da diese arbeitslosen Gewinne Mitmenschen + Natur ausbeuten! Bestechung / Korruption = Spitze des Eisbergs...

[2] Entwicklungszusammenarbeit hat heute das Wort Entwicklungshilfe abgelöst.  Diese Zusammen-Arbeit muss nun aber auch praktisch nachhaltiger werden! Ziel: Unabhängigkeits-Zunahme unserer Partner und nicht umgekehrt! 60 Jahre ‚Entwicklungshilfe’ haben bisher meist zu mehr Abhängigkeiten geführt!

[3] Obwohl Familienplanung seit 1968 ein Menschenrecht ist, wird von den meisten Hilfswerken die Verfügbarkeit von Verhütungsmitteln und entsprechenden Information den ProjektpartnerInnen vorenthalten! Dies ist eine grobe Verletzung von diesem Menschenrecht. 

UNFPA= UNO - Organisation für Bevölkerung und Entwicklung

[4] www.alliancesud.ch  oder www.evb.ch informieren kritisch über  wirtschaftspolitische  Zusammenhänge mit dem Ziel einer gerechteren/friedlicheren Welt.

[5] Mach es so unkompliziert wie möglich aber nicht einfacher

[6] IKRK= Internationales Komitee des Roten Kreuzes

[7] Mit WIE ist hier die Qualität und die Zukunftsfähigkeit gemeint. Das ZEWO Zeichen (www.zewo.ch) z.B. sagt wenig über das WIE aus.

[8]  fair à gerecht; far à weitreichend; langfristig orientiert, zukunftsfähig, enkeltauglich, nachhaltig…

 

pdf vom MusterBrief und Erklärungen

 

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Einige Beispiele, wie Hilfswerke auf MusterBriefe reagieren
Antworten auf Fragebrief vom 6.4.2005.pd
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